.Haro Senft

Jakob hinter der blauen Tür
Spielfilm - 1986
Daten

 
Daten:
 
Länge: 2576 m / 35 mm


Laufzeit:
94 Min. / 24 B
  92 Min. / 25 B
   
Farbe / Normalformat
   
Produktion: Alpha-Film GmbH, München
Regie: Haro Senft
Kamera: Wedigo von Schultzendorff
Musik: David Knopfler
   
FBW-Prädikat: "wertvoll"
 
Auszeichnungen: 1. Preis der Nürnberger Filmschau 1987 der Bundeszentrale für politische Bildung
  1. Preis der Kinderfilmjury der 4. Inter. Kinderfilmfestspiele Hildesheim
   
Festivalbeteiligungen: Inter. Filmfestspiele Moskau 1987  
     
Erstaufführung: Igel-Film GmbH - März 1987 ( 35 mm )
  Atlas film + AV. - März 1987 ( 16 mm )
   
FS-Erstausstrahlung ZDF - 28.07.1990

 

3-sat - 16.10.1990

   
Darsteller:
     
Thomas Spielberg
Dagmar Deisen
Marquard Bohm
Hannelore Hoger
Siegfreid Kernen
Renate Roland
Jan Fedder
David Knopfler
Edgar Hoppe

   
Inhalt:
 
Jakob ist zwölf Jahre alt, als er seinen Vater durch einen Unfall verliert. Mia, seine Mutter, versucht durch Selbstbeherrschung und übermäßige Fürsorge für Jakob, mit der neuen Lebenssituation fertig zu werden. Jakkob bekommt Schwierigkeiten mit der Schule und seiner Umgebung, denn außer der Frage nach dem Tod und dem Sterben interessiert ihn kaum noch etwas. In seiner Abwehr gegenüber den bisher Gewohnten geht er aber eigene Wege, um seine Trauer zu bewältigen. So lernt er auch Shot, einen gescheiterten Musiker kennen, der seinerseits versucht, sich in seinem Leben neu zurechtzufinden. Ohne es zunächst zu wollen, helfen die beiden einander weiterzugehen.

   
Kritik:
 

Die Jury der Bundeszentrale für politische Bildung - Filmschau Nürnberg hat entschieden, daß der Film "Jakob hinter der blauen Tür" von Haro Senft mit dem 1. Preis ausgezeichnet wird.
Der Film greift das tabuisierte Thema des Todes als traumatische Erfahrung eines Kindes auf und regt zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Verdrängungsmechanismen an. Er bietet sowohl Kindern als auch Erwachsenen die Chance, ihrer existentiellen Situation bewußt zu werden. Unaufdringlich und behutsam veranschaulicht er die Krise, in die ein Junge geraten ist, der seinen Vater durch einen Unfall verloren hat. Sein Ziel, auf unterhaltende Weise betroffen zu machen, erreicht er mit sparsamen optischen Mitteln.
( Jury der Filmschau Nürnberg 1987 )


Ein Film über Tod und Trauern aus der Perspektive eines Zwölfjährigen von einem bundesdeutschen Regisseur gefilmt. Der Gedanke daran lässt im ersten Moment erschaudern! Umso erstaunlicher das Ergebnis: Haro Senfts Verfilmung von Peter Hartlings Kinderbuch „Jakob hinter der blauen Tür“. Das sensible, unsentimentale Portrait eines Jungen, dessen Vater bei einem Motorradunfall gestorben ist. Das schreckliche – Ergebnis – bleibt ausgespart bis auf eine kurze Sequenz, in der sich ein startendes Motorrad – von Jakob beobachtet – in einen durch die Luft wirbelnden Helm verwandelt. Dieser Helm taucht dann in einer anderen Sequenz noch einmal auf.
Haro Senft schildert die Folgen des Verlustes eines geliebten Menschen auf die kindliche Psyche. In einem Alter, in dem der Vater die wichtigste Bezugsperson ist. Deshalb kann die Mutter ihrem Sohn nur bedingt helfen. Ganz davon abgesehen, dass sie selbst mit der eigenen Trauer und der Neubestimmung ihres Lebens beschäftigt ist. Durch eine diskret und detailgenaue Beschreibung des Alltags von Sohn und Mutter macht Haro Senft die Krise sichtbar, ohne in peinlicher und damit peinigender Larmoyanz festzufahren. Ein abschreckendes Beispiel dieser Art lieferte vor einiger Zeit der Sindelfinger Filmemacher Roland Emmerich mit seinem missratenen „Joey“. Hier reinkarnierte der verstorbene Vater via Fantasy durchs Kindertelefon.
Sein Anliegen macht Haro Senft mit „Jakob hinter der blauen Tür“ in schöner Geradlinigkeit deutlich. Einmal mehr erwies er sich als solider Handwerker der eine Geschichte zu erzählen weiß. Ein subtiler Spannungsbogen macht den Film auch für Kinder in Jakobs Alter interessant und löst bei ihnen Betroffenheit aus. Senfts Beschreibung des Kinder – und Familien-Alltags schafft eine breite Identifikationsebene, macht gewissermaßen unter der Hand Tod und Trauer erfassbar.
“Jakob hinter der blauen Tür“ ist ein sympathischer Film von bemerkenswerter Geschlossenheit, dem das Kunststück gelingt, ein Lebensgefühl unprätentiös darzustellen.
( Kinder- und Jugendfilm Korrespondenz, Herbert Speich, April 1987 )


   
Bilder:
 

Thomas Spielberg

Thomas Spielberg

Thomas Spielberg

Thomas Spielberg

Thomas Spielberg

Marquard Bohm,David Knopfler, Andrea Heinrch

Werkfoto - Haro Senft, ...